Im März lag das Angebot für einen neuen Server bei rund 20.000 Euro. Im April, für die gleiche Konfiguration, bei ca. 32.000 Euro. Eine Steigerung um 60 Prozent innerhalb von vier Wochen. Solche Sprünge sehen wir in der Beratung derzeit häufig. Sie sind kein Ausreißer, sondern Ausdruck einer weltweiten Entwicklung am Speichermarkt, die deutlich länger anhalten wird, als viele vermuten.
Der Hauptgrund: Die Preise für SSDs und Arbeitsspeicher haben sich innerhalb weniger Quartale dramatisch verteuert. Bei NAND-Flash, der Grundkomponente jeder SSD, lagen die Preise laut Hersteller Kingston Ende 2025 bereits bis zu 250 Prozent über dem Niveau von Anfang 2025. Das ist keine zyklische Schwankung, sondern eine strukturelle Verschiebung. Wer in nächster Zeit über neue Server oder die Verlängerung bestehender Hardware entscheidet, sollte verstehen, was dahintersteht.
Die aktuelle SSD-Preisentwicklung im Überblick
Der Speichermarkt steht unter einem Druck, wie es ihn seit über einem Jahrzehnt nicht gegeben hat. Das Marktforschungsinstitut TrendForce, die Standardreferenz für Speicherpreise, hat seine Prognose für das erste Quartal 2026 mehrfach nach oben korrigiert.
Die wichtigsten Eckwerte:
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- NAND-Flash für Enterprise-SSDs: plus 55 bis 60 Prozent gegenüber dem Vorquartal, für das zweite Quartal 2026 werden weitere 70 bis 75 Prozent erwartet
- SSDs im deutschen Einzelhandel: rund 90 Prozent teurer als im Sommer 2025
- DRAM-Preise insgesamt: plus 90 bis 95 Prozent im ersten Quartal 2026
- DDR4 und DDR5 für Server: plus 88 bis 93 Prozent
- Lieferzeiten für Enterprise-NAND: von vier bis sechs Wochen auf zwölf bis zwanzig Wochen verlängert
Wer einen Server bestellt, zahlt also nicht nur für die SSDs deutlich mehr, sondern auch für den verbauten Arbeitsspeicher.
Warum sind SSDs und RAM gerade so teuer?
Die Antwort ist der KI-Boom. Hyperscaler wie Google, Microsoft, Amazon und Meta investieren dreistellige Milliardenbeträge in KI-Infrastruktur und sichern sich Großaufträge in Mengen, die das verfügbare Angebot weit übersteigen. Beim Arbeitsspeicher kommt hinzu, dass die großen Hersteller Samsung, SK Hynix und Micron ihre Kapazitäten gezielt auf High Bandwidth Memory verlagern, eine Speicherart, die für KI-Beschleuniger gebraucht wird. Damit wird konventioneller DDR5-Arbeitsspeicher für Server und PCs knapper.
Die Hersteller priorisieren in beiden Segmenten die großen Aufträge mit hohen Margen. Kleinere Mengen, wie sie für mittelständische Serverlösungen typisch sind, werden zuletzt bedient. Eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht:
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- Counterpoint Research geht davon aus, dass sich das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage frühestens 2028 normalisiert. Selbst dann bleibt das Angebot knapper als die Nachfrage, was die Preise stützt.
- Gartner prognostiziert, dass der Speicheranteil an den Materialkosten eines PCs 2026 auf rund 23 Prozent steigt, gegenüber 16 Prozent im Vorjahr. Übersetzt heißt das: Hardware wird teuer bleiben, und Hoffen auf einen Preisrutsch ist keine Strategie.
Was das konkret für KMU bedeutet
Die meisten mittelständischen Unternehmen planen Server-Investitionen in Zyklen von fünf bis sieben Jahren. Wer in diesem Jahr die Erneuerung ansteht, sieht sich mit Angeboten konfrontiert, die deutlich über dem liegen, was vor zwölf Monaten kalkuliert war. Erschwerend kommt hinzu, dass die Datenmengen weiter wachsen. Mehr digitale Prozesse, längere Aufbewahrungspflichten, höhere Anforderungen an Backups. Was vor fünf Jahren mit zwei Terabyte reichlich bemessen war, kommt heute schnell bei zehn oder zwanzig Terabyte an.
Damit stehen KMU in einer unangenehmen Doppelsituation: Der Bedarf steigt, gleichzeitig ziehen die Preise für genau diese Kapazitäten deutlich an. Die zentrale Frage ist deshalb nicht, wann die Preise wieder sinken. Die Frage ist, wie sich die IT-Strategie an ein Umfeld anpassen lässt, in dem lokale Hardware dauerhaft teurer ist als gewohnt.
Cloud oder eigener Server: Die Rechnung verschiebt sich
In der Vergangenheit war der Vergleich zwischen lokalem Server und Cloud-Server oft eine Glaubensfrage. Beide Modelle hatten ihre Vor- und Nachteile, die Kostenrechnung kippte je nach Anwendungsfall mal in die eine, mal in die andere Richtung. Mit den aktuellen Hardware-Preisen verschiebt sich dieses Verhältnis spürbar zugunsten der Cloud. Dafür gibt es drei Gründe:
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- Keine einmalige Großinvestition: Statt 30.000 oder 50.000 Euro auf einen Schlag zu investieren, zahlt das Unternehmen einen monatlichen Betrag, der sich aus der tatsächlichen Nutzung ergibt. Das schont die Liquidität und macht IT-Kosten planbarer.
- Einfache Skalierung nach oben und unten: Wer mehr Speicher braucht, bucht ihn dazu. Bei lokaler Hardware muss die Kapazität von Anfang an für den Spitzenbedarf ausgelegt sein, was zu Überdimensionierung führt. Bei den heutigen Preisen ist das ein doppelt teurer Effekt.
- Hardware-Risiko beim Anbieter: Steigen die Preise weiter, trifft das den Cloud-Anbieter, nicht den Kunden. Cloud-Verträge werden in der Regel nur zeitverzögert und in moderaten Schritten angepasst.
Eine grobe Rechnung verdeutlicht das:
Ein typischer Server für einen Mittelständler, der vor zwei Jahren rund 20.000 Euro gekostet hat, liegt heute eher bei 32.000 Euro.
Dazu kommen Wartung, Strom, Kühlung und nach einigen Jahren der nächste Hardware-Refresh. Eine vergleichbare Cloud-Umgebung lässt sich häufig für 400 bis 600 Euro im Monat realisieren, inklusive Redundanz, Backup und einem Grundmaß an Sicherheitsfunktionen, die beim lokalen Server zusätzlich aufgebaut werden müssen. Über sechs Jahre gerechnet spricht die Rechnung in den meisten Fällen klar für die Cloud, in einigen sogar deutlich.
Was bei der Entscheidung zu bedenken ist
Bei aller Attraktivität ist die Cloud nicht für jeden Anwendungsfall die richtige Lösung. Drei Punkte sollten Sie vor einer Entscheidung sauber abklären: Datenschutz, technische Eignung der Anwendungen und die Migration selbst.
Beim Datenschutz geht es darum, einen Anbieter mit Serverstandort in Deutschland oder zumindest innerhalb der EU zu wählen und zu prüfen, ob er den Anforderungen der DSGVO genügt. Auch die Frage der digitalen Souveränität spielt eine Rolle, gerade vor dem Hintergrund aktueller geopolitischer Entwicklungen. Wir haben diesem Thema einen eigenen Beitrag zur digitalen Souveränität gewidmet.
Bei der technischen Eignung gilt: Nicht jede Anwendung lässt sich sinnvoll in die Cloud verlagern. Spezialsoftware mit hohen Latenzanforderungen, Branchenanwendungen mit komplexen Lizenzmodellen oder Systeme, die eng mit lokaler Produktionssteuerung verbunden sind, gehören oft weiterhin auf einen lokalen Server. In solchen Fällen kann eine hybride Lösung der richtige Weg sein.
Die Migration ist mit Aufwand verbunden, aber beherrschbar, wenn der Übergang strukturiert geplant ist und ein erfahrener Partner die Umsetzung begleitet. Welche Systeme eignen sich für die Cloud, welche nicht? Wie sieht die Kostenrechnung über fünf oder sieben Jahre tatsächlich aus? Diese Fragen lassen sich nicht pauschal beantworten, sondern nur mit Blick auf die konkrete IT-Landschaft.
Fazit
Die Server- und Speicherpreise werden in den kommenden Jahren nicht auf das alte Niveau zurückkehren. Selbst optimistische Prognosen rechnen frühestens 2028 mit einer Normalisierung, und auch dann nicht mit einer Rückkehr zu den Preisen von 2023 oder 2024. Wer in diesem Umfeld IT-Investitionen plant, sollte die Frage neu stellen, ob lokale Hardware tatsächlich noch der naheliegende Weg ist oder ob eine Cloud-Lösung beziehungsweise eine hybride Umgebung die wirtschaftlichere und flexiblere Antwort wäre.
Das ist keine Grundsatzentscheidung für oder gegen eine Technologie, sondern eine nüchterne Bewertung im Einzelfall. Wer jetzt rechnet, verschafft sich Spielraum. Wer wartet, zahlt am Ende mehr.
Bei GFAD setzen wir bei Cloud- und Hybrid-Lösungen gezielt auf Rechenzentren in und aus Deutschland. Datenschutz und digitale Souveränität sind für mittelständische Unternehmen heute wichtiger denn je. Wenn Sie wissen möchten, wie sich die aktuellen Preisentwicklungen auf Ihre IT-Planung auswirken und welche Variante in Ihrem Fall die wirtschaftlichste ist, sprechen Sie uns gerne an. Eine erste Vergleichsrechnung ist unverbindlich und kostenlos.
Vertriebsleiter
Jaroslaw Andrzejewski
Bei GFAD setzen wir bei Cloud- und Hybrid-Lösungen gezielt auf Rechenzentren in und aus Deutschland. Datenschutz und digitale Souveränität sind für mittelständische Unternehmen heute wichtiger denn je. Wenn Sie wissen möchten, wie sich die aktuellen Preisentwicklungen auf Ihre IT-Planung auswirken und welche Variante in Ihrem Fall die wirtschaftlichste ist, sprechen Sie uns gerne an. Eine erste Vergleichsrechnung ist unverbindlich und kostenlos.
